Distelfalter (Vanessa cardui)

Allgemeines

Distelfalter auf Sommerflieder. (Foto: C. Heinecke)

Der Distelfalter (Vanessa cardui)  gehört zur Familie der Edefalter (Nymphalidae). Er ist ein Wanderfalter - ein »Saisonwanderer 1. Ordnung«. Die Schmetterlinge stammen aus Nordafrika und verlassen ihr Ursprungsgebiet, um aktiv andere Gebiete aufzusuchen. Sie wandern jedes Jahr  in mehr oder weniger großer Zahl in Richtung Norden um Nachkommen zu erzeugen. Bei ihren Wanderungen können die Falter weite Strecken zurücklegen, indem sie sich vom Wind tragen lassen und so bis nach Nordeuropa vordringen. Ihre Häufigkeit schwankt von Jahr zu Jahr sehr stark. Im extrem warmen und trockenen  Frühjahr und Sommer 2003 sowie 2009  fanden wahre Invasionen des Distelfalters statt. An manchen Tagen konnte man stellenweise mehrere Falter pro Minute ziehen sehen.

Falter in Ruheposition. (Foto: C. Heinecke)

Auf ihrem Wanderzug legen die Falter in mehreren »Wellen« zunächst in Südeuropa, dann in Mittel- und Nordeuropa Eier ab. Die Falter schlüpfen, wandern weiter gen Norden und  vermehren sich dort bis in den Sommer, um bei ungünstiger Witterung zumindest teilweise wieder in ihre Ursprungsgebiete zurückzukehren. Einige Falter schaffen auch den Direktflug von Nordafrika zu uns. Diese »Langstrecken-Wanderer« sind dann restlos abgeflogen, denn diese haben mehr als 3.500 Kilometer zurückgelegt!


Kennzeichen

Raupen des Distelfalters. (Foto: C. Heinecke)

Die Spitze der Vorderflügel ist schwarz mit weißen Flecken. Das Wurzelfeld, die innere Flügelhälfte, ist gelbbraun und orange mit schwarzer Fleckenzeichnung. Die Unterseite der Hinterflügel ist weiß-braun marmoriert mit einer Reihe von Augenflecken am Außenrand. Die Raupen sind hellgelb bis grünlich braun mit variablen, dunklen Zeichnungen - manchmal sind sie auch fast schwarz mit gelben Streifen auf dem Rücken und an den Seiten. Sie tragen wie die meisten Edelfalter auf jedem Segment einen Dornenring mit sich verästelnden Dornen. Die grünen Eier sind halbkugelig und gerippt. Die Puppen sind braun mit metallisch gold-glänzenden Flecken. 


Größe

Die Falter erreichen Flügelspannweiten zwischen 45 und 60 Millimetern. Die Raupen werden bis zu 4 Zentimeter lang.


Lebensraum

Distelfalter sind praktisch überall anzutreffen. Sie kommen vorwiegend im offenem, trockenen und blütenreichem Gelände vor, besonders auf Ruderalflächen wie Bahndämmen, Truppenübungsplätzen oder Brachland.


Entwicklung

Von Nordafrika fliegen die Falter im Spätwinter nach Südeuropa ein und legen ihre Eier ab, so dass dort ab April eine neue Faltergeneration entsteht. Die Nachkommen dieser ersten Welle erreichen im Mai und Juni Mittel- und Nordeuropa, um hier noch einmal ein bis zwei Nachfolgegenerationen hervorzubringen. Diese Falter wandern teilweise im Sommer wieder nach Süden. Die Eier werden einzeln an den Blättern der Futterpflanzen - meist an Disteln - abgelegt. Die Raupe verbirgt sich zwischen lose zusammengesponnen Blättern. Sie verlässt zur Verpuppung die Nahrungspflanze. Es ist nicht bekannt wie weit und wohin die Raupe läuft. Eine Überwinterung ist nördlich der Alpen offenbar weder als Falter, Raupe, Puppe oder Ei möglich.


Nahrung

Die Falter sind eifrige Blütenbesucher. Bei den Necktarpflanzen überwiegen Rotklee, Luzerne, Wiesen-Flockenblume, Acker-Witwenblumen, Wasserdost sowie Kohl- und Ackerkratzdisteln. In Gärten werden Sommerflieder, Zinnien, Studentenblumen, Lavendel, zahlreiche Dahliensorten und im Herbst Asterarten bevorzugt.  Die Raupen fressen besonders an Brennnesseln, vielen Distelarten, Wiesen-Kerbel, Natternkopf, Beinwell, Großem Wegerich und etlichen weiteren Pflanzen.     


Verbreitung

Er ist fast auf der ganzen Erde verbreitet (mit Ausnahme von Südamerika und Australien). In  Nordafrika dauernd heimisch, wandert die Art von hier aus in großen Schwärmen über das Mittelmeer nach Europa.


Gefährdung und Schutz               

Der Distelfalter ist nicht gefährdet. Die Mahd von Wegrainen, Böschungen und Dämmen sowie der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln hier und auf landwirtschaftlichen Flächen können jedoch den Raupenbestand empfindlich schädigen.  

  


Zusammengestellt von Elke Freese; überarbeitet 2009 von Carsten Heinecke.
Quellen:
Günter Ebert, Erwin Rennwald (Hrsg.) (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 1 –Tagfalter I. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. ISBN 3-8001-3451-9.
Heiko Bellmann (2003): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. ISBN 978-3-440-09330-6.
Ulrich Lobenstein (2004): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Großschmetterlinge mit Gesamtartenverzeichnis. Inform.d. Naturschutz Niedersachsen. Nr. 3, 165 - 196, Hildesheim.